Nestlé – oder: Wie man ein Menschenrecht in eine Geschäftsidee verwandelt
Ein Kommentar über Wasser, Konzernsprache und die Frage, wie weit man gehen kann

Andere Unternehmen haben ein Produkt. Nestlé hat den ganzen Planeten als Excel-Tabelle mit Durstspalten. Über Greenwashing, Konzernsprache und ein System, das lieber Panels über Verantwortung macht, als tatsächlich welche zu übernehmen.
Nestlé ist faszinierend. Wirklich. Manche Firmen verkaufen Wasser, andere verkaufen Schokolade, Nestlé verkauft dir gleich noch das Gefühl, du solltest dankbar sein, dass sie überhaupt noch Luft in deiner Nähe dulden. Das ist Effizienz. Andere Unternehmen haben ein Produkt. Nestlé hat gleich den ganzen Planeten als Excel-Tabelle mit Durstspalten. Man schaut da drauf und denkt: Respekt, ihr habt es geschafft, aus einem Menschenrecht ein Geschäftsmodell mit freundlichem Logo zu basteln. Das musst du erst mal hinkriegen. Das ist nicht Kapitalismus, das ist DLC für die Schöpfung. Stell dir vor, Gott erschafft Wasser frei zugänglich, und irgendwo in der Schweiz sitzt ein Manager und sagt: „Cute idea. Aber was wäre mit Premium?“
Und das Krasse ist, die Außendarstellung ist immer so weichgespült. Alles sieht aus wie: Familie, Natur, Wohlbefinden, lächelnde Kinder, sanfte Farben. Du erwartest fast, dass gleich ein Reh durchs Bild hüpft und dir Mineralwasser mit ESG-Bericht bringt. Während irgendwo im Hintergrund ein Meeting läuft mit dem Titel: „Wie monetarisieren wir das Grundbedürfnis, ohne wie Bond-Bösewichte zu wirken?“ Das ist die wahre Kunst. Nicht nur Geld verdienen. Nein. Geld verdienen und dabei aussehen wie ein Kindergarten mit Nachhaltigkeitsbroschüre. Das ist Champions League.
Und ich liebe ja auch diese Sprache von Großkonzernen. Nie sagt einer: „Wir wollen maximal Profit aus struktureller Abhängigkeit ziehen.“ Nein, nein. Es heißt dann: „Wir schaffen Mehrwert für Communities.“ Communities. Ein wunderschönes Wort. Früher nannte man das Leute mit Durst. Heute ist das eine Community. Klingt direkt freundlicher, wenn man ihnen das Wasser verkauft, das vorher einfach… Wasser war.
Aber fair ist fair: Nestlé ist nicht das Problem allein. Nestlé ist eher wie ein ehrlicher Spiegel mit PR-Abteilung. Die zeigen nur, was passiert, wenn man ein System lang genug fragt: „Wie weit kann ich gehen, bevor mich jemand wirklich stoppt?“ Und das System antwortet seit Jahren: „Probier’s ruhig, wir machen derweil ein Panel über Verantwortung.“